Sandra Eckstein, Daniel Roga, Wolfgang Ley (v.l.)

Aufwärmen war an diesem Tag sehr wichtig...

Die "Heilbronner Stimme" zum Welt-Tai Chi-Tag

Unter der Leitung von Sandra Eckstein fand am 12.04.2003 erstmals in Heilbronn-Frankenbach eine Veranstaltung zum Welt-Tai-Chi-Tag statt. Verstärkt wurde sie durch weitere Tai-Chi-Lehrer des Tai Chi Forums Deutschland: Daniel Roga aus Neuss, und Wolfgang Ley aus Schwaigern.
Nach einer Begrüßung und ein paar einleitenden Worten von Sandra Eckstein begann die Gruppe von knapp 30 Leuten kurz nach 10 Uhr mit Qi Gong-Übungen im Frankenbacher Park - trotz recht frischen Temperaturen wurde beschlossen zunächst draußen zu üben. Unter Anleitung von Daniel Roga und Sandra Eckstein wurden die Vorübungen zu Teil 1 ausgeführt. Diese Vorübungen sind Teil des standardisierten Lehrsystems des Forums und werden in unseren Kursen auch so unterrichtet. Daher waren die Üungen den meisten Teilnehmern bekannt. Aufgrund der anschaulichen Darstellung und der Gruppendynamik konnten dann auch die Teilnehmer ohne Probleme mitmachen, für die die Übungen neu waren. Auch einige Zuschauer kamen immer mal wieder vorbei und schauten neugierig zu. Allerdings traute sich niemand von ihnen so recht an die Übenden heran. Abgerundet wurden dann diese Übungen durch eine kurze Stehmeditation und das sogenannte "Chi-Kung-Stehen".
Da sich die Sonne noch immer nicht hinter den Wolken hervortraute und die Kälte trotz intensivem Üben von einem Besitz nahm, beschloß die Gruppe, den Veranstaltungsort in den Gymnastikraum der Grund- und Hauptschule Frankenbach zu verlegen. Denn bei diesen Temperaturen zu üben ist auf Dauer nicht gesundheitsfördernd. Und auf mindestens 2 Stunden war die Veranstaltung mit dem gemeinsamen Üben und den Vorführungen schon angesetzt.
Im rechten Augenblick kam dann Frau Scheffler von der Heilbronner Stimme und konnte die Gruppe noch vor Verlassen des Parks beim Üben fotografieren.

Nach dem Umzug ins Warme stand Tai Chi Chuan auf dem Programm. Zunächst informierte Sandra Eckstein über die Bedeutung des 1. Teils der langen Yang-Form. Dann lief die Gruppe gemeinsam diesen Teil. Alle die schon mal in einer größeren Gruppe die Form gelaufen sind, wissen, was für ein schönes Gefühl dies ist. Danach kam der 2. Teil dran. Hier war die Gruppe der Übenden etwas kleiner geworden. Dafür hatte sich die Zuschauerbank mehr gefüllt. Und die Zuschauer bekamen in den nun folgenden ca. 60 Minuten einiges zu sehen und zu hören.

Viele der Zuschauer praktizieren selbst Tai Chi Chuan und Qi Gong in einem der Kurse von Sandra Eckstein, und hatten schon einige Erfahrung mit den Kampfkünsten. Durch die Anwesenheit der 4 Lehrer aber konnten die Veranstalter mit einem größeren Programm an Vorführungen aufwarten als erwartet wurde.
So wurde zunächst einiges zur ersten Waffenform, einer Yang-Stil-Schwert-Form erklärt. Das Schwert ist ursprünglich die Waffe der Frau, da es vom Gewicht meist nicht so schwer ist. Desweiteren ist das Schwert dem Element Wasser zugeordnet, was man auch an den weich fließenden Bewegung erkennen kann. Diese Waffe hat zwei Schneiden und es wurden die verschiedenen Techniken demonstriert, die man mit dem Schwert anwenden konnte.

Als nächstes zeigte Daniel Roga eine Yang-Stil-Säbel-Form. Der Säbel hat nur eine Schneide. Er ist etwas schwerer als das Schwert und war daher ursprünglich die Waffe der Männer. Aufgrund seiner Beschaffenheit wird er in anderen Techniken angewandt als das Schwert. Von der Elementenzuordnung her, gehört er zum Metall. Man konnte den Unterschied in der Handhabung bei Daniels Form deutlich sehen. Hier waren Techniken wie Hacken und Stechen stärker vertreten, insgesamt ist die Form kraftvoller. Auch hier waren wieder alle Teilnehmer beeindruckt. Da Daniel Roga auch andere Kampfkünste betreibt, konnte er noch eine weitere Säbel-Vorführung bieten: Die sog. »Holding the Moon«-Form aus dem Lanshou (Shaolin)-System, eine sehr dynamische Form.

Sandra Eckstein zeigte danach eine weitere Tai-Chi-Säbel-Form aus dem Yang-Stil.

 

Als nächstes zeigten Sabine Kronwald, Tai Chi Lehrerin bei der Tai Chi Schule Heilbronn und Sandra Eckstein die Fächer-Form nach Meiling Wu. Der Fächer war früher ein beliebtes Utensil insbesondere der Gelehrten und älteren Menschen. Er konnte ohne als Waffe aufzufallen bei sich getragen werden, war dekorativ und dennoch wirkungsvoll in seiner Anwendung. Die Fächerform, die von Meiling selbst zusammengestellt wurde, besteht aus Elementen des gleichmäßig langsam fließenden Yang-Stils und aus dynamischen Elementen des Chen-Stils. Sie zeichnet sich durch sehr elegante, anmutige Bewegungen aus, verbirgt aber nicht, das hier mit dem Fächer abgewehrt, geschlagen, gestoßen und gestochen wird. Interessant ist z.B. auch, dass früher die Fächer oft mit Metallspitzen besetzte Streben hatten, so dass der Fächer wirklich einen wirkungsvollen Einsatz als Waffe finden konnte.

Neben den Vorführungen war für die Zuschauer interessant, die eben noch vorgeführten Waffen auch mal in die Hand nehmen zu können und deren Beschaffenheit und Gewicht selbst zu testen und zu spüren.

Anschließend kam ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung: Daniel Roga und Sandra Eckstein zeigten verschiedene Partnerübungen: Angefangen mit einfachen Push-Hands-Pattern bis hin zu dem 2x80 Bewegungen umfassenden Two-Men-Set, dem San Shou. Die Push-Hands-Pattern bestehen aus nur wenigen Bewegungen, die routinemäßig wiederholt werden. Eine Lockerheit im Körper und ein Hineinspüren in den Partner sind hier erforderlich und werden durch stetiges Üben trainiert. Hierbei wurde auch schön dargestellt, was passiert, wenn man nicht locker bleibt. Der Partner spürt die Härte und Spannung im Gegenüber und kann diesen durch diesen Widerstand aus dem Gleichgewicht bringen oder sogar wegpushen, also mit Energie wegschieben bzw. -schleudern.

Das San Shou ist umfassender als die einzelnen Push-Hands-Pattern. Jeder der beiden Partner hat ca. 80 Bewegungen, wobei sich Angriff und Abwehr immer wieder abwechseln. Es ist ein komplexer Bewegungsablauf, der aufeinander aufbaut. Auch hier sind wieder Lockerheit und Hineinspüren in den Partner notwendig für das Gelingen der Übung. Die Zuschauer waren auch hiervon fasziniert und in manchem wurde der Wunsch wach, bald im Tai Chi voranzuschreiten, um zu solchen Übungen zu kommen.

Zum Abschluß konnten wieder alle gemeinsam Qi Gong üben. Sandra Eckstein stellte zwei einfache aber wirkungsvolle Übungen vor: »Die Atemblume« nach Dieter Mayer und »Der goldene Drache tanzt« nach Runjin Wu. So konnte jeder noch ein wenig seine eigene Energie in Bewegung bringen und spüren.

Am Ende waren wohl alle satt vom Zuschauen und überwältigt von der Vielfalt an Formen, die sie an diesem Vormittag sehen konnten. Und eines wußten alle: Dies war zwar der erste, aber sicher nicht der letzte Welt-Tai-Chi-Tag in Heilbronn.

Hiermit möchte ich meinen Kollegen Daniel, Wolfgang und Sabine für Ihre Mithilfe, den Teilnehmern für ihr Mitmachen und den Zuschauern für Ihre Aufmerksamkeit danken.

Heilbronn, im Mai 2003



Der Welt-Tai-Chi-Tag 2004 findet
am Samstag 24.04. ab 10.00 Uhr statt!

-> Info


Veranstaltung

Samstag, 12. April 2003
5. Welt-Tai Chi-Tag - erstmals in Heilbronn